Vorsorgen – Versorgen – Entsorgen

Der Nachlass des Künstlers ist für ihn wie auch für die Gesellschaft eine verantwortungsvolle Aufgabe…

 

Für den Künstler fusst die Frage des Nachlasses seines schöpferischen Werkes auf sicherstem tiefsten Grund, denn nur von dort aus ist er sich der Bedeutung bewusst, die er seinem Werk und dessen  Bezug zur Gesellschaft, geben kann.

 

Von diesem Standpunkt aus, ist seine erste Empfindung nicht die des Erhaltens, des Sorgetragens, sondern gilt der Mitteilung, der Synthese – sein Werk muss den Menschen erreichen…

Sein Werk muss Allgemeingut werden, muss dem tiefsten Wissen, der höchsten Höhe des Empfindens seiner Zeit gerecht werden…

 

Wenn es nun gelingt, dass der Künstler seine Werke in der Gesellschaft verankern kann, wird von selbst die Sorge für den Erhalt des Bestehenden aufkommen. Vorgängig dazu braucht es aber das Wohlwollen und die Einsicht der KuratorInnen, der SammlerInnen, die Gewähr dafür geben, dass sein Werk bedeutungsvoll ist… Noch wichtiger sind die echten Sammler und Sammlerinnen, die Philanthropen  und Philanthropinnen!

 

Es ist wirklich so, dass der rohe Stein erst rechtwinklig behauen sein muss, bevor er geglättet werden kann…

 

Wir neigen in unserer heutigen Zeit dazu, die wir im Zeichen des homo aequalis leben und denken und uns den Lebensformen  des homo hierarchicus (Jan Assmann) nur mit Angst nähern, den rohen Stein zu glätten…

 

Man versucht zu konservieren und zu schützen aus lauter Angst und falschem Respekt gegenüber den flachen und ausufernden Erzeugnissen der Zeit. In einer Überfülle und kaum mehr zu überschauenden Diversität sogenannten künstlerischen Treibens, bleibt keine andere Sorge mehr, als alles zu pflegen und zu horten.

 

Im nicht eingestandenen Wissen darum, dass das Seltene teuer ist, versucht man alles säuberlich zu konservieren, in der Hoffnung, das Seltene und das Kostbare darin, mit zu konservieren.

 

Wie den KuratorInnen , so ergeht es auch den meisten SammlerInnen – nichts darf durch die Maschen fallen, gebildet aus sorgfältig gezüchteten demokratischen Achtsamkeitswillen!

 

Die Kriterien für die Auswahl erwachsen der Angst, dass man das Wenige, das man bereits besitzt, noch verliert – man scheut sich vor Vertiefung!

 

Die Folge davon wird sein, dass Unmengen von Scheinkunst katalogisiert werden, dass Hunderte von KuratorInnen und KunsthistorikerInnen die Bestände immer und immer wieder sichten und tausende von Kubikmetern Beton neueste und allerneueste „Museen“ erstehen lassen.

 

Wie gesagt – dem Treiben ist kein Ende zu setzen…

 

Der Küstler selber weiss im Tiefsten, dass sein Werk erhalten bleibt, denn sobald die Zeit sich seinem Werk amalgamiert, wird für sein Werk gesorgt!

 

Der Wille der Zeit, beste Kunst zu fördern ist echt, aber beste Kunst zu sichten, dazu braucht es auch ein Streben in die Höhe und die Tiefe – und nicht nur in die Weite!

 

Werner Heinrich Rüefli

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